Eine Sportmedizinische Leistungsdiagnostik soll die einzige sport-medizinisch- und wissenschaftlich anerkannte Möglichkeit sein, den körperlichen Leistungs-Stand zu ermitteln und eine fachärztlich anerkannte Empfehlung für ein optimales körperliches (Leistungs-) Training abzugeben. Zudem verlangen immer mehr Veranstalter, dass zur Anmeldung ein ärztliches Attest vorgelegt wird, welches die gesundheitliche Eignung für die Teilnahme an einem “Lang-Lauf-Wettbewerb” (Marathon, bzw. Ultra-Marathon) bestätigt. Bei einigen Marathon-, Triathlon-, oder Ultra-Distanzen (insbesondere im europäischen Ausland) sind ärztliche Unbedenklichkeits-Atteste für eine Anmeldung obligatorisch. Auf Grundlage einer aktuellen sportmedizinischen Leistungsdiagnostik könnte der Facharzt u.a. auch eine solche “Unbedenklichkeits-Bestätigung” für die Anmeldung ausstellen.

In einigen Beiträgen die sich mit dem Laufen und im Speziellen mit dem Marathon-Training befassen wird nachdrücklich empfohlen, sich vor dem Beginn des Lauf-Trainings (insbesondere vor dem Beginn des Trainings für einen Marathon) einer sportmedizinischen Leistungsdiagnostik zu unterziehen. Einerseits um mögliche Herz- Kreislauferkrankungen auszuschließen, oder solche rechtzeitig zu erkennen. Grundsätzlich kann ein gut ausgebildeter Lauf-Trainer, bzw. Sportwissenschaftler, anhand der erhobenen Leistungs-Daten ein individuelle abgestimmtes Trainingsprogramm aufstellen. Die Anpassung seines (Lauf-)Trainings an die Ergebnisse der Leistungs-Diagnostik (in Korrespondenz mit den ermittelten Herz-Kreislauf-Daten) kann einerseits vor Überlastungen und Verletzungen schützen, aber auch für ein effizienteres und damit leistungssteigerndes Training genutzt werden.

Die Informationen rund um das Thema der sportmedizinischen Leistungsdiagnostik motivierten mich und so entschloss ich Mitte 2016 (aufgrund meines ersten Marathon-Projekts (Helgoland, Mai 2017), einen solchen Test zu machen. Als sog. “Fatboy” mit gut 20kg zu viel auf den Rippen und mit 55 Jahren sogar schon ein “Lauf-Oldie” ;), wollte ich mich beruhigter meinem Trainingsplan widmen und nichts zusätzlich riskieren. Bei meinen ersten Recherchen schreckten mich jedoch die hohen Kosten eher ab. Nach einigen mehr quälenden Trainingsmonaten und weiterer Internetrecherchen fand ich ein Angebot der Städtischen Klinik Darmstadt (Fach-Abteilung Kardiologie und Sportmedizin). Schon beim ersten Anruf konnte ich alle meine Fragen nach Ablauf, Umfang und genauen Kosten zufriedenstellend klären.

Folgende Informationen, bzw. Hinweise bekam ich:

  • es findet immer eine Basis-Anamnese statt (Patientenaufnahme)
  • es wird eine spirometrische Leistungsdiagnostik angeboten, kein Laktattest durchgeführt.
  • es werden zwei Elektro Kardiogramme (EKG) angefertigt: in Ruhe und unter steigender, bis absoluter Belastung!
  • die Untersuchung führt ein erfahrener Facharzt für Kardiologe und Sportmedizin durch. Dieser erstellt auch die sportmedizinische Auswertung.
  • der Patient bekommt sämtliche erhobene Daten schriftlich, inkl. aller Leistungsdiagramme und eine Trainings- und Belastungsempfehlung (empfohlene Herzfrequenzbereiche im Training, anaerobe bzw. aerobe Bereiche) für sein jeweiliges Training (Radfahren, bzw. Laufen)
  • die Kosten der Basis-Leistungs-Diagnose betragen ca. 80 Euro, die Kosten der erweiterten sportlichen Leistungs-Diagnostik ca. 180 Euro
  • die meisten Krankenkassen zahlen einen Zuschuss zur Basis-Diagnostik und, wenn nötig, auch einen Zuschuss zur erweiterten Leistungs-Diagnostik!
  • ich bekam zusätzlich die Information, dass der Test ca. eine Stunde dauert, sehr schweißtreibend ist und ich am Ende des Tests vor Ort duschen kann. Handtuch wird bei Bedarf gestellt 😉

Da mir keine Herz-Kreislauf-Vorerkrankungen bekannt ist (“one Apple each day keep the doctor away 🙂 , entschloss ich mich für die Basis Leistungsdiagnostik. Der vereinbarte Termin war am 16.10.2016, 11.00 Uhr.

An dem Untersuchungstag erfolgte zuerst die Anamnese (Abfrage zum allgemeinen Gesundheitsstand, bzw. zu Vorerkrankungen, Medikamenten, Operationen, Gewicht, etc.). Bis auf mein damals viel zu hohes Gewicht (Adopositas ließ grüßen…) gab es keine weiteren gesundheitlichen Probleme.

Anschließend wurde ich gewogen. Dann verkabelt und das Ruhe EKG abgenommen. Nach einigen beruhigenden Worten und noch mit allen Elektroden vom Ruhe-EKG verkabelt gings aufs Ergo-Fahrrad. Zusätzlich wurde eine Atemmaske über Mund und Nase platziert. Anhand der Maske wurde die benötigte Atemluft und Sauerstoffverbrauch während der “Ergo-Fahrrad-Belastung” gemessen. Die zig Elektroden am Körper zeichneten gleichzeitig meine Herz- Kreislauf Daten auf.

Alle 2-3 Minuten änderte sich die Tritt-Belastung (in Watt) des Ergo-Fahrrads. Nebenbei ratterte bei jeder neuen Schwierigkeitsstufe der Drucker und erfasste alle gemessenen Daten auf Papier.

Begonnen wurde bei moderaten 30 Watt, was lockeres Einfahren entspricht. Alle 2 Minuten stieg die Bealstung um ca. 20 Watt. Meine maximale Belastung lag bei 240 Watt.  Dazwischen lagen gut 20 Minuten ohne Pause. Einerseits hieß es immer kräftiger in die Pedale treten und zudem genügend Atemluft über die Maske aufzunehmen. Es war anstrengend! Eine erfahrene Fachkrankenschwester (nebenbei habe ich erfahren, dass sie auch eine sehr erfahrene Langstecken-Läuferin ist) und der Sportarzt/Kardiologe standen beiseite. Beide spornten mich ab ca. 180 Watt an, nicht aufzugeben und alles zu geben….. wirklich alles! 🙂 Zugegeben, es war anstrengend und zudem schweiss-treibend!

Im Anschluss ein kurzes cool-down und nach insgesamt 50 Minuten war es vollbracht. Ich durfte duschen gehen, was auch dringend notwendig war 😉 Meine erste Leistungsdiagnostik hatte ich nun hinter mir. Der Arzt sicherte mir zu die Ergebnisse zu sichten und den Bericht mir so schnell wie möglich zuzusenden.

Die Ergebnisse meines ersten Tests inkl. vereinbarter Rechnung kamen nach ca. 8-10 Tagen nach dem Test per Post. Es wurden keine Herz-Kreislauf-Erkrankung festgestellt, noch gab es auffällige Daten die einem intensiveren Ausdauertraining entgegen stehen. Auf 6-8 Seiten waren die Ergebnisse des Tests verständlich und grafisch gut lesbar dargestellt. Auf zwei Seiten wurden die Leistungsdaten beschrieben und erklärt. Die Vo2max-Werte waren fix und fertig berechnet und gut verständlich dargestellt. Eine komplette Seite gab Empfehlungen zu Trainingsumfang, maximale, minimale Herzfrequenzbereiche während des Trainings, sowie anaerobe, bzw. aerobe Trainingsempfehlungen. Ich kenne nun meine damalige maximale Herzfrequenz, weiß auch wann in etwa meine Muskeln “übersäuern”, bzw. ab welcher Belastung ein Training gut ist für die Ausdauer, oder gut ist um Kraft aufzubauen. Oder dem Grunde nach wenig bis gar nix bringt und mein System überlastet. Abschließend kann ich sagen, dass diese sportmedizinische Leistungsdiagnostik für mich eine rundum gute und sinnvolle Maßnahme war. Hinzu kommt, dass ich viel über mich und meinen Körper gelernt habe.

Da meine Krankenkasse alle zwei Jahre einen ansprechenden Zuschuss (bis zu 80% der Kosten pro Leistungsdiagnostik) zahlt, bin ich (nach nun gut zwei Jahren Marathon-Training) auf die nächsten Ergebnisse sehr gespannt!

... TO BE CONTINUED

PS: die erweitere sportmedizinische Leistungsdiagnostik durfte ich bei einem Bekannten begleiten. Da er Bluthochdruck hat, wurde auch die erweiterte Diagnostik mit 80% von seiner Krankenkasse bezuschusst. Es wird hierbei zusätzlich eine Computer-Tomographische Aufnahme des Herzens angefertigt und hierbei die Herzwandstärke vermessen, sowie das Atemluft-Volumen und weitere spezifische Herz-Kreislaufdaten erhoben . Die erweiterte Untersuchung dauerte insgesamt ca. 60 Minuten. Der Bericht/Diagnose war entsprechend umfangreicher, beinhaltete jedoch auch genauere Daten zum Herz- Lungen-System.

Bei bekannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, z.B. diagnostizierten Bluthochdruck, ist die  erweiterte Leistungsdiagnostik IMHO dringend zu empfehlen!